Protokoll
Was bisher geschah...
Was bisher geschah...
Es begann in Eichenfurt, einem Dorf am Silvanfluss, klein genug, dass jeder Schrei durch alle Fenster kroch und jeder Schatten einen Namen bekam. Michal stand an der Esse der Schmiede von Eichenfurt, Heinard sprach in der Kapelle von Jelen, Luna und den alten Herrinnen, und oben im alten Wehrturm lebte Malduk, der grimmige Magier, der lieber mit Wasser, Wind und Büchern sprach als mit Menschen. Sie waren keine Gefährten, noch nicht. Nur drei Männer, jeder auf seine Weise verwundet, als die Schattenhunde kamen und das Land zeigte, was unter seiner dünnen Haut lauerte.
Die Spur führte zur Uralten Eiche, zum Weißen Hirsch und schließlich in den Nebel. Dort endete die Welt, die sie kannten. Hinter dem Nebel wartete Barovia: hungrig, kalt, verschlossen, ein Land, das nicht nur Menschen verschlang, sondern Hoffnung. Auf der Straße fanden sie Dorn und Rose, Kindergeister vor einem Haus, das noch atmete wie ein Tier. Haus Alkir war kein Ort, den man betrat; es war eine Schuld, die sich Raum für Raum offenbarte. In seinen Zimmern fanden sie Briefe, Blut, tote Kinder, alte Gier, Nekromantie, Ghule und die Spuren einer Familie, die sich selbst und andere verdorben hatte. Michal trug den Geist Dorns in sich und versprach, die Kinder zu schützen. Heinard versprach Ruhe für ihre Gebeine. Malduk sah Zaubergeflechte, wo andere nur Staub sahen, und wäre in den Katakomben beinahe gestorben. Als sie Haus Alkir hinter sich ließen, war es nicht Sieg, was blieb, sondern der erste Bund zwischen ihnen: Sie hatten zusammen Angst gehabt und waren trotzdem geblieben.
Dann führte die Straße tiefer nach Barovia. Die Tore standen wie kopflose Wächter. Die Vistani lachten, sangen und warnten. Im Dorf Barovia rochen die Straßen nach Regen, Armut und faulen Geheimnissen. Dort trafen sie Ireena, und Malduk sah in ihr mehr als eine Schutzbefohlene: ein Echo von Cataryma, ein Schmerz aus einem früheren Leben. Ismark Kolyanowitsch bat sie, Ireena fortzubringen. Vater Donavich verbarg seinen vampirischen Sohn Doru Donavich unter der Kirche, während draußen frische Gräber zeigten, was Strahds Hunger aus Menschen machte. Die Helden lernten die Regeln der Nacht: Vampire brannten an fließendem Wasser, fürchteten Sonnenlicht, brauchten Einladung und Sarg, und doch lag ihre wahre Macht darin, dass sie jede Gewissheit vergifteten.
Mit Ireena zogen sie weiter, über die Ivlis-Kreuzung zu den Blauen Vistani am Tser-Teich. Madame Eva las die Zeichen und legte ihnen eine Zukunft vor, die mehr nach Falle klang als nach Hoffnung. Bei den Tser-Fällen begegneten sie Wundern und Gefahren: einem Fischer, einem Wels, einem Elementar, einer uralten Brücke und Gargylen aus Stein. Jeder Schritt durch Barovia machte klarer, dass das Land aus Geschichten gebaut war, die schlecht ausgegangen waren.
An der Hexenmühle wurde diese Wahrheit grausam. Bella, Offilia und Morganta waren keine Märchenhexen, sondern etwas Alltäglicheres und dadurch Schlimmeres: Wesen, die Hunger, Kinderleid und alte Pakte in Geschäft verwandelten. Am Steinkreis rief Heinard die Macht des Glaubens an; Michal sah Visionen; Malduk sprach von den Fey und suchte in den Legenden nach Sinn. Die Mühle brannte. Im Heiligtum trafen sie auf Graf Strahd selbst. Er kam nicht wie ein Monster aus der Dunkelheit, sondern wie ein Herr, der wusste, dass das ganze Tal ihm gehörte. Vor ihm wurde Mut zu etwas Leisem: stehen bleiben, zuhören, nicht knien. Sie betrogen ihn später mit einer List, verließen das Heiligtum und trugen doch die Gewissheit davon, dass Strahd alles bemerkte und wenig vergaß.
Von dort führte sie die Spur zu den Werwölfen. In der Höhle wurde aus Jagd beinahe Verlorenheit. Malduk wechselte die Seite, nicht aus Verrat, sondern weil Magie, Fluch und Zwang die Linien verwischten. Es kam zum Rechtspruch, zu heiligem Wasserschleier, zu Szlata, die vom Weiler erzählte. So erreichten sie einen Ort, der noch einmal anders verwundet war: nicht nur durch Strahd, sondern durch Rituale, Zorn, Geister und den Weißen Hirsch, dessen Bedeutung immer tiefer in die Geschichte griff. Grusha sprach von einem Ritual. Bran wurde wütend. Der erste Versuch scheiterte. Beim zweiten kamen Heilung und Schrecken zugleich: eine Zombie-Apokalypse, Geist-Ritter, Entscheidungen, die nicht sauber waren, aber nötig. Aus dieser Dunkelheit entstand das Hirsch-Medaillon, das später Ireenas Hunger aufhalten sollte. Sie nahmen Faddey mit und zogen weiter nach Vallaki.
Vallaki war kein sicherer Hafen. Die Stadt nannte sich frei, aber ihre Freude war Befehl. Auf dem Marktplatz grinsten Masken, im St. Andrals Waisenhaus saßen Kinder mit zu großen Augen, und unter der Fürsorge von Claudia Belasco lag etwas Kaltes. Michal sprach mit den Kindern. Heinard suchte nach Wahrheit in Seelen und Räumen. Malduk schlich, prüfte, roch Magie und Lebensraub. Milivoj war verstrickt, Felix trug den Schatten eines Dämons, und das Waisenhaus zeigte den Helden eine andere Art von Kampf: nicht gegen Bestien, sondern gegen die Versuchung, Kinder als Mittel zu benutzen. Als grelles Licht kam und ein gemeinsames Mahl folgte, war das kein Ende der Finsternis, sondern ein kleines Stück Menschlichkeit, das sie ihr abgerungen hatten.
Danach ging es zur St. Andrals Kirche. Die Knochen des Heiligen waren verschwunden, und mit ihnen der Schutz der Kirche. Der Weg führte zum Sargmacher, zu Vampiren im Haus, zu einer Truhe, einem Dämon und in die Krypta. Die Helden kämpften, forschten, litten. Als die Kirche später zum Schauplatz eines Gemetzels wurde, war die Frage nicht mehr, ob sie Barovia retten konnten. Die Frage war, wie viel von ihnen dabei übrig bleiben würde. In der Nacht danach kamen heilende Träume, aber auch die Erinnerung daran, dass Heilung in Barovia nie rein war. Michal und Malduk sprachen auf dem Weg zur Kirche über Herkunft, Krieg und Schuld, und je mehr sie einander erzählten, desto weniger fest griff die Dunkelheit nach ihnen. Ihre Freundschaft war nicht aus Schwüren gemacht, sondern aus solchen Augenblicken: aus geteiltem Schweigen, aus Wunden, aus dem Entschluss, den anderen nicht allein in die Nacht gehen zu lassen.
Dann zog Vallaki seine herrschaftliche Maske enger. Am Kirchentor kam die Revolte, und Izek Strazni wollte sie verhaften. Vasili von Holtz beruhigte die Lage mit jener glatten Hilfe, die nie ganz wie Hilfe wirkte. Die Helden wuschen sich, kleideten sich neu, sprachen mit Rictavio, Vater Lucian und Ireena, suchten Wege in ein Haus voller Macht. Beim Baron Vargas Vallakovich wurden sie an einen Tisch gezwungen, an dem jede Höflichkeit nach Gewalt schmeckte. Lydia Vallakovich war zerbrochen freundlich, Victor Vallakovich klug und gefährlich, Izek ein Mann aus Feuer, Schmerz und Befehlen. Die Helden versuchten nicht nur zu kämpfen. Sie versuchten, Izek zu erreichen: über Haus Alkir, über Eltern, über Verlust. Weil alle drei wussten, was es heißt, von früheren Wunden gelenkt zu werden.
Das Trinkspiel eskalierte. Vargas' Wahnsinn, Victors Misstrauen, Izek Straznis Rache und die Dunkelheit im Haus verbanden sich zu einem Strudel. Der Baron wachte auf, Hunde brannten, Wände barsten, Illusion und Gewalt fraßen sich durch das Herrenhaus. Victor öffnete Kreise und Risse; etwas aus dem Bernsteintempel antwortete. Die Dunkelheit sprach mit Stimmen, die nicht schrien, sondern argumentierten. Sie bot Ordnung, Macht, Schutz, Heilung. Sie sprach zu Michal vom Tyrannen und den Schwachen. Sie versuchte Heinard. Sie kroch in Malduk und Victor. Das Haus selbst wurde Feind, Fleisch, Tür, Falle. Malduk schlug gegen Ritualkreise, Heinard hielt sich an Jelen fest, Michal blieb dort stehen, wo andere zurückgewichen wären. Victor verlor ein Bein. Izek verhörte sie. Ireena veränderte sich und wurde zurückgeholt. Die Helden überlebten, aber sie kamen nicht unverändert aus diesem Haus.
Am Morgen des Fests der Brennenden Sonne war Vallaki ein Fass aus Öl, Angst und nassem Holz. Heinard stellte sich Izek entgegen und lockte nicht den Krieger heraus, sondern den verletzten Menschen. Michal und Malduk setzten ihren Plan in Bewegung. Izeks dämonischer Arm wurde abgetrennt, Udo trat ins Spiel, und der Baron blieb doch das Zentrum einer Stadt, die er durch Zwang zum Lächeln bringen wollte. In der St. Andrals Kirche betete Heinard mit reinigendem Feuer. Aus Blut und Glauben entstand Jelens Flamme, aus Schmerz ein goldener Schein. In einer Vision der Nacht sahen sie, was geschehen würde, wenn Vampirismus und Angst sich ausbreiteten. Heinard rang mit seinem Glauben und bezwang, was an Ireena und Vallaki zu zerbrechen drohte.
Dann kam der Marktplatz. Die Bastsonne rauchte schwarz. Lydia konnte nicht vom Podest, Ireena war ohne Medaillon, und der Baron hielt sie wie Besitz. Ein gepanzerter Säbelzahntiger brach aus, Panik riss durch die Menge, und Izek stürzte sich auf Vargas. Malduk hüllte Ireena in Nebel, um ihren ersten Blutdurst aufzuhalten. Heinard wurde vom Tiger zerrissen und stand dennoch im Licht Jelens wieder auf. Michal hob die Henkersaxt und kämpfte, bis die Bestie fiel. Auf dem Podest verbrannten Izek und der Baron. Der Ruf ging durch die Menge: Der Baron ist tot.
Doch ein Tod macht in Barovia noch keinen Frieden. Vallaki brannte, die Wachters traten aus den Schatten, Vasili erschien und verschwand, und Ireena riss sich aus dem Nebel, hungrig, verwandelt, gefährlich nah an Malduks Lebensessenz. Michal stand blutig auf dem Podest, Heinard leuchtete wie ein Urteil, Malduk hielt fest, was er noch halten konnte. Aus drei Männern, die in Eichenfurt nur Nachbarn gewesen waren, waren Gefährten geworden: der Schmied, der Priester und der Magier. Nicht rein, nicht ungebrochen, nicht sicher. Aber miteinander verbunden durch jede Nacht, in der einer fiel und die anderen ihn zurückholten.
So steht die Geschichte nun: Strahd herrscht noch immer über das Land. Die Dunkelheit hat eine Stimme. Vallaki ist frei von Vargas und doch nicht frei. Ireena ist gerettet und bedroht zugleich. Und die drei Helden haben gelernt, dass Freundschaft in Barovia kein warmes Wort ist, sondern eine Waffe: schwer zu tragen, oft blutig, aber manchmal das Einzige, was die Nacht nicht versteht.